Bürokratische Hürden erschweren Biogas


Wie der Berner Oberländer am 25. August 2021 berichtet hat, zahlen Hauseigentümer und Konsumenten drauf, wenn sie mit Biogas aus dem Ausland heizen. Weil kein schlaues Herkunftsnachweissystem vorhanden sei, zahlten Kundinnen und Kunden mehr für ausländisches Biogas. Ab nächstem Jahr werde es gar noch mehr, schreibt Philipp Felber-Eisele. Obwohl Biogas netto kein CO₂ produziert, wird bei ausländischem Biogas eine CO₂-Abgabe erhoben. Schilda lässt grüssen. Leidtragende sind alle heutigen und zukünftigen Opfer des Klimawandels. Wir zitieren aus dem Artikel: Biogas kann nicht nur zum Heizen eingesetzt werden. Aus biogenen Abfällen wird etwa auch Strom hergestellt. Mit Biogas sein Haus beheizen: Das ist punkto CO₂-Bilanz deutlich besser als mit herkömmlichem Gas. Deshalb gibt es viele Versorger in der Schweiz, die ein Biogas-Produkt anbieten. Damit sollen Kundinnen und Kunden die Wahl haben. Der Preis fürs Heizen steigt dadurch an, Biogas ist teurer. Wer Pech hat und von seinem Versorger nun ausländisches Biogas erhält, zahlt gar noch mehr: Denn darauf wird eine CO₂-Abgabe fällig. Biogas aus Schweizer Produktion dagegen ist davon befreit. Das ärgert die beiden Nationalräte Niklaus-Samuel Gugger (EVP) und Felix Wettstein (Grüne). Beide wollten von der zuständigen Bundesrätin Simonetta Sommaruga Antworten. «Ich bin selber ein Betroffener. Wir beziehen seit Jahren 100 Prozent Biogas mit einem kräftigen Aufpreis und zahlen darauf auch noch CO₂-Abgabe», sagt Wettstein. Aus seiner Sicht macht das wenig Sinn: «Wenn wir wollen, dass erneuerbare Gase in der Schweiz mehr genutzt werden, dann ist diese Doppelbelastung nicht zielführend», sagt Wettstein. «Wer sich bewusst für eine ökologische Lösung entscheidet, sollte ermutigt statt zusätzlich belastet werden.» Insgesamt flossen 2019 elf Millionen Franken aus diesen Abgaben in den CO₂-Topf. Dies dürfte im nächsten Jahr deutlich mehr werden. Denn dann steigt der Preis für eine Tonne CO₂ von 96 auf 120 Franken. Versorger gleichen mit Biogas Preisschwankungen aus Der Anteil von Biogas am Gas, das in der Schweiz verbraucht wird, stieg in den letzten Jahren an. Das hat einerseits mit Umweltschutzüberlegungen der Verbraucherinnen und Verbraucher zu tun. «Andererseits erhöhen die Versorger den Anteil Biogas im Standardprodukt periodisch und können bei sinkenden Gaspreisen den Preis für die Konsumenten stabil halten», sagt Hans-Christian Angele, Leiter Politik beim Verband der Schweizerischen Gasindustrie. Das heisst: Sinkt der Gaspreis für herkömmliches Gas, ist es einfacher, erneuerbare Gase beizumischen. Wer kein solches Gas will und damit allenfalls von günstigeren Gaspreisen profitieren will, muss sich aktiv darum bemühen. Ähnlich, wie das auch beim Strom passiert. Dort ist das Standardprodukt ebenfalls meist mit erneuerbaren Quellen angereichert. Wer günstiger Strom beziehen will, muss bewusst auf Atomstrom setzen. Es gibt zu wenig Schweizer Biogas, um die Nachfrage zu befriedigen. Warum das Problem mit der CO₂-Abgabe überhaupt entsteht, ist schnell erzählt. Es gibt zu wenig Schweizer Biogas, um die Nachfrage zu befriedigen. «In der Schweiz macht einheimisches Biogas aktuell etwas mehr als ein Prozent des gesamten Gasverbrauchs aus. Rechnet man das ausländische dazu, sind es 4 Prozent», so Angele. Dabei gäbe es Potenzial. Das Ziel der Branche ist es, bis 2030 den Anteil von Biogas im Wärmemarkt auf rund 30 Prozent zu erhöhen, davon soll wiederum ein Drittel Schweizer Biogas sein. Parallelen zum Strommarkt

Doch warum fällt auf ausländischem Biogas überhaupt eine CO₂-Abgabe an, bei Schweizer Gas aber nicht? Dafür gibt es keine einfach nachvollziehbare Erklärung. Das Problem dahinter beschreibt Angele so: «Wenn man erneuerbares Gas importiert, muss das physisch klar erkennbar sein. Aber es gibt ja keine grünen Moleküle im Gasnetz, woran man das Gas erkennen kann.» Wird das Gas verflüssigt etwa per Lastwagen eingeführt, werde keine CO₂-Abgabe fällig, weil da die Erkennbarkeit gegeben ist. «Es lässt sich ökologisch nicht begründen, warum dies so ist», sagt Angele. Das Gas wird sogenannt virtuell importiert – analog zum Strommarkt: Auch dort kann man bei gewissen Versorgern Strom beziehen, der nur von erneuerbaren Quellen stammt. Doch was tatsächlich aus der Steckdose kommt, ist manchmal Atomstrom oder auch mal Kohlestrom aus Deutschland. Zähes Ringen um eine Lösung

Beim Strom gibt es für dieses Problem eine Lösung: Es wurde ein Nachweissystem aufgebaut. Die Versorger besorgen dabei Zertifikate bei den Produzenten des erneuerbaren Stroms. Mit dem Aufpreis durch die Zertifikate soll der Ausbau der Erneuerbaren gefördert werden. Die Endverbraucher erhalten so die Bescheinigung, dass sie erneuerbare Energie nutzen, oder besser: Es wird im Gegenwert des Zertifikats tatsächlich Strom aus erneuerbarer Quelle hergestellt. Halt einfach zum Beispiel in Norwegen. Das Problem beim Biogas lösen könnte nun ein auf europäischer Ebene verknüpftes Herkunftsnachweissystem nach dem Vorbild des Strommarkts. Noch fehle aber die entsprechende Systemkomponente in der Schweiz. Diese will der Bund aber frühestens bis 2024 realisieren. «Wir spüren hier bisher keinen politischen Support», sagt Angele. Dabei: «Klimaneutrale Gase wie Biogas können einen wichtigen Anteil leisten, wenn es darum geht zu dekarbonisieren.»



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