Biosprit aus Kaffeesatz

Die Möglichkeiten, nachhaltige Treibstoffe herzustellen, sind so vielfältig, dass der Schreibende immer wieder von neuen Möglichkeiten überrascht wird, wie man nachhaltige, klimaneutrale Treibstoffe herstellen kann.


So wurde ich am Wochenende auf eine Technologie aufmerksam, die es schon seit einigen Jahren gibt. 2015 baute Nestlé Schweiz zusammen mit der Group E Greenwatt eine neue Biogasanlage in Valbroye, Waadtland. Hier werden Kaffeekapseln rezykliert. Aus dem Kaffeesatz entstehen Wärme, Strom und Dünger.


Die Freiburger Nachrichten berichteten am 29. Mai über ein Interview, das vier Journalistinnen der «Zeitung im Gymnasium» (Sarina Menning, Valerie Peter, Jasmin Widmer, Elena Wittwer) mit Urs Kröpfli, dem von Groupe E Beauftragten für die Entwicklung der neuen erneuerbaren Energien, zum Nes­presso-Kapsel-Recycling in ECO-Broye führten. Lesen Sie unten weiter.



Urs Kröpfli, Sie sind der Verantwortliche für das Kapsel-Recycling in ECO-Broye. Können Sie uns mit einigen Worten das Prinzip des Recyclings erklären?


Wir von Groupe E Greenwatt sind ein Dienstleister für Nes­presso. Nespresso sammelt an diversen Orten Kaffeekapseln ein und diese kommen in eine Recycling-Firma nach Moudon. In Moudon werden sie vorsortiert, so dass nur noch die Kapseln übrig bleiben. Danach werden diese Kapseln in Container geladen und gelangen anschliessend zu unserer Anlage in ECO-Broye.


Und was macht dann Groupe E Greenwatt in dieser Anlage mit den Kapseln?

Dort trocknen wir die Kapseln und entziehen ihnen das Wasser. Daraufhin wird der Container mit den getrockneten Kapseln nach Moudon zurücktransportiert. Dort wird dann die Trennung zwischen dem Aluminium und dem Kaffeesatz vorgenommen. Wir von Groupe E Greenwatt nehmen also die Trocknung der gesammelten Kapseln vor, was unabdingbar ist, damit man das Aluminium vom Kaffeesatz trennen kann. Wir verwerten dann diese Kaffeereste.


Wie verwerten Sie diese Reste?


Der Kaffeesatz wird in unserer Biogasanlage zu Wärme, Strom und hochwertigem Dünger verarbeitet.


Und was wird aus dem gewonnenen Aluminium produziert?


Es werden zum Beispiel Verkleidungen für Nespresso-Kaffeemaschinen, Sackmesser und Sparschäler hergestellt, die verwendet werden, um Gemüse zu rüsten, oder aber auch Kugelschreiber. Hauptsächlich bleibt jedoch die Herstellung von neuen Kaffeekapseln.


Wie hat sich der Trocknungsprozess seit der Beteiligung durch Groupe E entwickelt?


Die Verwertung des Kaffeesatzes hängt davon ab, wie viel Ware anfällt. Bei Inbetriebnahme unserer Trocknungsanlage 2018 wurden vier Container gleichzeitig bearbeitet. Heute kann es schon vorkommen, dass bis zu sieben Container gleichzeitig gespiesen werden. Dies über 24 Stunden und sieben Tage die Woche. Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass der Prozess der Trocknung vor unserer Beteiligung mit Erdgas als Energiequelle funktionierte. Mit der Umstellung auf unsere Biogas-Variante konnten nun bereits massive CO2-Einsparungen erzielt werden.


Wie hoch waren diese Einsparungen?


Diese CO2-Einsparungen sind vergleichbar mit zweihundert Flügen von Paris nach New York und zurück. Es ist also unglaublich wichtig, dass wir hier diese erneuerbare Energie zur Verfügung stellen können und so das ganze Material zurückgewonnen werden kann: Aluminium, um neue Produkte herzustellen, und den Kaffeesatz, damit wir diesen in der Biogasanlage in die drei genannten Komponenten umwandeln können. Wir sparen so die Menge an CO2-Emissionen ein, die früher aufgrund der Erdgasanlage entstanden sind.


Was sind in ECO-Broye die nächsten Schritte und Ziele für Groupe E Greenwatt?


Wir werden nach wie vor dafür sorgen, dass genügend erneuerbare Energie zur Verfügung gestellt werden kann für die Trocknung des Materials. Denn: Wenn die Firma Nespresso mehr recycelt, müssen wir von Groupe E Greenwatt auch garantieren können, das gesamte Material mithilfe von erneuerbaren Energien zu trocknen. Diese Aufgabe erfüllen wir, indem wir zusammen mit anderen Biogasanlagen in unserem Park zusammenarbeiten.


Zahlen und Fakten


Nachhaltige Energieproduktion

Groupe E Greenwatt, eine Tochterfirma von Groupe E, positioniert sich als zentraler Akteur der Energiewende. Seit seiner Gründung 2007 hat das Unternehmen seinen Tätigkeitsbereich ständig ausgeweitet und hat bis heute am Bau von knapp hundert Anlagen zur nachhaltigen Energieproduktion mitgewirkt. Es plant und realisiert globale Energiekonzepte für öffentliche Körperschaften, Gemeinden, Unternehmen oder Landwirtschaftsbetriebe. Seit 2018 verstärkt Groupe E die Partnerschaft mit Unternehmen im Bereich der Energieeffizienz über Energie-Contracting. Zu den Projekten zur besseren Verwertung von organischen Substanzen gehört die Biogasanlage zur Trocknung von Kaffeesatz im Rahmen des Projekts ECO-Broye

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