Bosch-Chef Denner: "Eine synthetische Zukunft für Verbrennungsmotoren"



Quelle: www.trend.at


Titel : Bosch-Chef Denner: "Eine synthetische Zukunft für Verbrennungsmotoren"


Volkmar Denner, Chef des weltweit größten Autozulieferers Bosch, sieht die Diskussion um Verbrennungsmotoren in die falsche Richtung laufen. Nicht die Motoren, sondern fossile Treibstoffe sollten verboten werden. Synthetische Treibstoffe seien eine ökologische Alternative.



Volkmar Denner, Chef der Robert Bosch GmbH, dem weltweit größten Autozulieferer, sieht ein Verbot von Verbrennungsmotoren als Mittel zum Klimaschutz als Irrweg. "Für den Klimaschutz kommt es nicht auf das Ende des Verbrenners an, sondern auf das Ende des fossilen Treibstoffs", erklärte er bei der digitalen Bilanzpressekonferenz des Unternehmens. Mit synthetischen Kraftstoffen, die mit erneuerbaren Energien erzeugt werden, könnten Verbrenner genauso klimaneutral sein wie Batteriefahrzeuge.

"Es scheint jedoch, als fixiere sich die europäische Politik allein auf das kurzfristige Ende des Verbrenners, scheue sich aber, über die Beschäftigungsfolgen zu sprechen", kritisierte Denner.


Immer mehr Länder legen verbindlich fest, ab dem kommenden Jahrzehnt Verbrennungsmotoren bei Autos abzuschaffen. In Deutschland fordern die Grünen ein Ende 2030 und sie haben nach Umfragen gute Chancen, in der nächsten Bundesregierung zu sitzen. Europa stehe heuer mit dem "Green Deal" der EU vor der Weichenstellung, erklärte Denner. Die Frage sei, ob künftig auch Autos mit emissionsfreien Kraftstoffen betankt werden könnten oder die Politik diese nur für Industrien zulasse, die keine batterie-elektrische Alternative haben - also etwa Chemie, Stahl, Energie, Zement, Schiffe und Luftfahrt. Denner plädierte dafür, das dem Markt zu überlassen.

Konzern im Umbruch

Dennoch treibt auch Bosch die Umstellung von Diesel- und Benzinmotoren auf alternative Antriebe voran, und die Elektromobilität hat dabei eine ganz besondere Bedeutung. Produkten aus. In der Antriebstechnik etabliere sich die Elektromobilität als Kerngeschäft, erklärte Denner. In die Zukunftstechnik seien schon fünf Milliarden. Euro investiert und Aufträge im Wert von mehr als 20 Milliarden Euro gewonnen worden. Der Umsatz wachse derzeit um fast 40 Prozent und damit doppelt so stark wie der Markt. Bis 2025 soll sich der Erlös auf fünf Milliarden Euro verfünffachen, und das Geschäft ab 2024 profitabel sein. "Die Elektromobilität ist längst keine Wette mehr auf die Zukunft, wir verdienen die Vorleistungen zurück", sagte Denner.

Der Bosch-Konzern muss als Folge der Veränderungen am Markt grundlegend umbauen. Im Hauptgeschäftsfeld Mobility Solutions werden tausende Arbeitsplätze in der Verbrennertechnik überflüssig. Beschäftigte werden umgeschult, etwa auf die Fertigung elektrischer Antriebe. Wo sich keine Alternative findet, müssen Leute gehen, wenn auch nicht durch Kündigung. So ist die Zahl der Mitarbeiter in der Antriebstechnik im Jahr 2020 um 2.000 auf 80.000 weltweit gesunken. Im Bereich der Dieseltechnik ist der Mitarbeiterstand in den letzten Jahren von 50.000 auf unter 40.000 gesunken.

Unternehmen und Betriebsräte suchen Standort für Standort nach sozialverträglichen Lösungen, erklärte Personalchefin Filiz Albrecht. Das werde problematisch, wenn die Regulierung zu einem Strukturbruch zwinge. "Bruch kann keiner wollen, deshalb raten wir ab." Die Restrukturierung kostete im vergangenen Jahr 1,4 Milliarden Euro, heuer sollen es rund 750 Millionen Euro sein.

Prognose

Nach Umsatz- und Gewinneinbußen durch die Coronapandemie im vergangenen Jahr rechnet Bosch (ISIN XS1084563615) mit einer leichten Erholung 2021. Im Gesamtjahr werde der Umsatz um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit auf fast 76 Milliarden Euro steigen, prognostizierte Bosch-Finanzchef Stefan Asenkerschbaumer. Mobility Solutions peilt fünf bis sieben Prozent mehr Erlös an.

Im ersten Quartal sei der Umsatz bereits um 17 Prozent geklettert, bei Mobility Solutions vor allem dank hoher Nachfrage in China um 13,6 Prozent. "Auch wenn wir mit Zuversicht ins Geschäftsjahr 2021 gestartet sind, birgt die Pandemie weiterhin erhebliche Risiken", sagte Asenkerschbaumer. So habe der Autozulieferer weiter mit dem Mangel an Computerchips zu kämpfen, der bei vielen Autoherstellern Produktionsausfälle verursacht. Die Lage werde sich kurzfristig nicht verbessern und könne sich auf die Geschäftsentwicklung des laufenden Jahres auswirken. Die operative Rendite will Bosch in diesem Jahr auf vier Prozent von 2,8 Prozent verbessern. In zwei, drei Jahren sollen es sieben Prozent sein.

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