In Mist und Gülle steckt einheimische Energie

Wie die BauernZeitung am 14. August 2020 berichtete, spielte das Thema «heimische Energie» an einem Informationsabend des Vereins Landenergie Schaffhausen in Thayngen kürzlich eine zentrale Rolle.

«Die Region benötigt Energie. Damit können die Landwirte eine neue Rolle einnehmen.» Das war die zentrale Botschaft von Hansueli Graf, dem Präsidenten des Vereins Landenergie Schaffhausen, am Fachabend Biomasse in Thayngen. Eingeladen hatte der Verein auf den Hof Unterbuck, auf dem Christian und Andrea Müller eine moderne Biogasanlage betreiben. «Die Energieproduktion gibt es ohne Landwirtschaft nicht. Zuerst war hier die Landwirtschaft und dann die Energie», hielt Andrea Müller bei der Betriebspräsentation fest. «Wir produzieren auf unserem Hof für 6000 Konsumenten Rindfleisch und Kartoffeln für die ganze Stadt Schaffhausen.»



Quelle: Bauernzeitung. Hansueli Graf ist Präsident des Vereins Landenergie Schaffhausen. Das grosse Interesse von Landwirten und Landwirtinnen am Fachabend Biomasse hat ihn gefreut. (Bild Roland Müller)


Weiteres Standbein

Auf der Suche nach Ideen für ein weiteres, vom Wetter und von der Landwirtschaftspolitik unabhängiges Standbein für diesen Hof rückte irgendwann die nachhaltige Bioenergieproduktion ins Zentrum. Mit dieser sollten Wärme für einen Wärmeverbund und Strom produziert werden, eine Energieproduktion, mit der man sich etwas von der Abhängigkeit von Energieträgern aus dem Ausland lösen kann. Zudem werde über 90 Prozent der Wertschöpfung in der Schweiz realisiert.


Christian Müller war überzeugt, dass Thayngen aufgrund seiner Siedlungsstruktur für eine Fernwärmeversorgung prädestiniert ist. Während sich die Projektierungs- und Bewilligungsverfahren in die Länge zogen, hatten die Müllers bereits erste Verträge mit anschlusswilligen Hausbesitzern für die Wärmebelieferung über ein Fernheiznetz unterschrieben. Aufgrund bereits unterzeichneter Verträge und der sich verzögernden Planung der Biogasanlage, kamen die zukünftigen Wärmeproduzenten unter Zugzwang: Sie mussten den Wärmeverbund vorerst ohne die Biogasanlage und lediglich mit einer Holzschnitzelheizung realisieren.


Wärme für 250 Wohnungen

In einem Teil der Gebäude auf dem Hof wurde der Heizkessel mit einem Unterschubrost samt den notwendigen Speicherungsmöglichkeiten mit einem Fassungsvolumen von 100 Kubikmeter und mit den Anschlüssen realisiert. Dieses Heizsystem ermöglicht es, dass frisch gehackte Holzschnitzel der Heizung zugeführt werden können. «Wir liefern jetzt die Wärme für rund 250 Wohneinheiten, drei Gewerbebauten und ein Schulhaus», führte Christian Müller aus. Es sind rund 1500 Kubikmeter Holzschnitzel, welche während dem Winter benötigt werden. Inzwischen ist diese Anlage eng mit der Biogasanlage verkoppelt worden. Müllers Kunden werden auch im Sommer über den Wärmeverbund mit Fernwärme beliefert. Von April bis September kann die Abwärme der Biogasproduktion zu 100 Prozent zu diesem Zweck genutzt werden.


Unter dem Boden

Die eigentliche Biogasanlage wurde einige Schritte vom Hof entfernt realisiert. In dieser werden zu 80 Prozent Mist- und Gülle von rund 1400 Grossvieheinheiten als Gärsubstrat zur Gasgewinnung eingesetzt. 1400 Grossvieheinheiten leben auf dem Betrieb allerdings nicht. Zu dem Substrat aus der Mastviehhaltung vom eigenen Hof wird der Betrieb von zehn weiteren Landwirten mit Biomasse beliefert. Diese beziehen ihrerseits die vergorene Biomasse als wertvollen Hofdünger für den eigenen Betrieb.


Die verbleibenden 20 Prozent an Substraten für die Biogasanlage bestehen aus in der Landwirtschaft anfallenden Neben- und auch Abfallprodukten. Der 2000 Kubikmeter fassende Fermenter, der gleich grosse Nachgär- sowie der Endlagerbehälter für die verflüssigten Stoffe befinden sich unter dem Boden. Die Beschickung des Fermenters mit der eigenen Hofgülle erfolgt über einen Pumpschacht. Die von Fremdbetrieben angelieferte Gülle wird in einer Vorgrube zwischengelagert.


Feststoffe wie Mist

Der flüssigen Biomasse werden auch Feststoffe wie Mist von Vieh und Geflügel beigemischt. Die Biomasse muss allerdings pumpfähig bleiben. Das dabei produzierte Biogas wird im Gaslager zwischengelagert. Es wird ausschliesslich für den Betrieb des Blockheizkraftwerkes verwendet. In diesem wird das produzierte Biogas als Energieträger im Verbrennungsmotor genutzt, um den Stromgenerator anzutreiben. Der produzierte Strom wird danach über eine auf dem Betrieb stehende Trafostation ins Netz eingespeist. Die dabei ebenfalls anfallende Abwärme wird der Fernwärme zugeführt.


Fazit: Einheimische Energieproduktion ermöglicht unseren Landwirten ein weiteres Standbein. Die Potentiale sind noch lange nicht ausgeschöpft. Leider haben sich National- und Ständerat entschieden, eine wichtige Unterstützungsmassnahme Ende 2023 auslaufen zu lassen, die Steuererleichterungen für biogene Treibstoffe («Mineralölsteuerbefreiung»). Ohne sie droht den Landwirten Billigkonkurrenz aus dem Ausland ungeachtet der Tatsache, dass jedes Land auf dem Weg zur Klimaneutralität zuerst einmal seine eigenen Ressourcen nutzen sollte. Es wäre begrüssenswert, wenn die Politik diese Entscheidung nochmals überdenken würde.

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