Siemens produziert E-Fuels für Porsche in Chile


In Patagonien soll ab 2022 mithilfe von Windkraft synthetischer Kraftstoff produziert werden. Hauptabnehmer des klimafreundlichen E-Fuel ist der Sportwagenhersteller.


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Im Zuge ihrer Wasserstoffstrategie fördert die Bundesregierung ein erstes Projekt im Ausland zur Gewinnung klimaneutraler Treibstoffe. Bundes-wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) überreichte dem Vorstands-vorsitzenden von Siemens Energy, Christian Bruch, einen Förderbescheid über 8,23 Mio. Euro für das Power-to-X-Projekt „Haru Oni“ in Chile. In dem Projekt wollen Siemens und weitere Partner im windreichen Süden Chiles aus Windstrom Wasserstoff gewinnen und diesen zu synthetischem Kraftstoff weiterverarbeiten. Das gesamte Investitionsvolumen beläuft sich nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums auf 35 Millionen Euro.


Fernziel: Industrieller Maßstab

„Mit dem Projekt zeigen wir, dass grüner Wasserstoff und dessen Folge-produkte mit modernsten Technologien made in Germany nachhaltig produziert werden können – zum Beispiel in Chile“, erklärte Wirtschafts-minister Altmaier. Ziel sei es, PtX-Verfahren „aus dem Labor direkt in die Anwendung“ zu bringen und langfristig im industriellen Maßstab umzusetzen. Als PtX („Power-to-X“) werden Verfahren bezeichnet in denen aus erneuerbarem Strom Brenn- und Kraftstoffe (Power-to-Gas, Power-to-Liquid), Rohstoffe für die Industrie (Power-to-Chem) oder einfach nur andere Energieformen (Power-to-Heat) bereitgestellt werden. PtX-Produkte sind bei Einsatz erneuerbarer Energien nahezu klimaneutral und stellen einen wichtigen Baustein zur Dekarbonisierung ausgewählter Sektoren dar.

Die Anlage in Patagonien soll ab 2022 mit Hilfe von Windkraft zunächst etwa 130.000 Liter synthetischen Kraftstoff erzeugen. In zwei Schritten soll die Kapazität der Anlage bis 2026 auf rund 550 Millionen Liter im Jahr steigen. Parallel soll die installierte Windkraftleistung wachsen: Von anfangs einem Windrad mit 3,4 Megawatt (MW) Leistung auf bis zu 2.500 MW im Endstadium.

Die Weiterverarbeitung des Windstroms zu Wasserstoff ist dabei nahezu alternativlos, denn ein Netzanschluss der Anlage ist nicht geplant – und wäre aufgrund der schwachen Netzstruktur vor Ort nicht sinnvoll. Der Kraftstoff soll anschließend per Schiffstransport nach Europa gelangen und dort über das bestehende Tankstellenetz verkauft werden.


„Das Schöne an Synfuels ist ja, dass die benötigten Lieferketten für Kraft-stoffe bereits existieren“, erklärte Siemens-Energy-CEO Bruch in einer virtuellen Pressekonferenz. Siemens tritt bei dem Projekt neben dem Hauptträger, dem chilenischen Energieversorger AME, als Co-Entwickler auf und liefert mit den Windrädern und dem PEM-Elektrolyseur die wesentlichen Komponenten.

Porsche-Chef Blume: E-Fuels als Ergänzung

Für Porsche-Chef Oliver Blume hat das Projekt auch mit Blick auf den großen Altbestand an Fahrzeugen auf dem Weltmarkt einen großen Stellwert – sie können mithilfe von synthetischen Benzin auch weiterhin betrieben werden und dabei ihre CO2-Emissionen deutlich reduzieren. Blume: „Elektromobilität hat bei Porsche höchste Priorität. E-Fuels für Automobile sind dazu aber eine sinnvolle Ergänzung – wenn sie an Orten auf der Welt produziert werden, wo nachhaltige Energie im Überschuss vorhanden ist.“

Als Hauptabnehmer des Kraftstoffs plant Porsche in einer ersten Phase die Nutzung der E-Fuels aus Chile in Leuchtturmprojekten. Dazu gehören der Einsatz in Fahrzeugen von Porsche-Motorsport, in den Porsche Experience Centern und perspektivisch auch in Seriensportwagen. Der Sportwagen-hersteller investiert dafür zunächst rund 20 Millionen Euro.

„Haru Oni“ ist das erste internationale Projekt, das im Rahmen der Nationalen Wasserstoffstrategie der Bundesregierung eine Förderung erhält. Die Bundesregierung hatte in ihrem Konjunkturpaket aus dem Juni zwei Milliarden Euro für internationale Wasserstoff-Kooperationen zur Verfügung gestellt. Weitere Kooperationen dieser Art bahnen sich in Marokko, in den Vereinigten Arabischen Emiraten und auch mit Unternehmen in Australien an.

„Der Aufbau einer nachhaltigen Energiewirtschaft“, führte Bruch, der CEO von Siemens Energy aus, „erfordert ein Umdenken. Erneuerbare Energie wird nicht mehr nur dort produziert, wo sie gebraucht wird, sondern wo natürliche Ressourcen wie Wind und Sonne in großen Mengen vorhanden sind. Es werden also weltweit neue Lieferketten entstehen, um regenerative Energie von einer Region in die andere zu transportieren. Das ist insbesondere für Deutschland wichtig, das unter dem Strich Energie importieren muss, um den landesweiten Bedarf decken zu können. Bei Speicherung und Transport von Energie wird Wasserstoff künftig eine immer wichtigere Rolle spielen. ”

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